Digitalisierung wird die nächste Normalität massiv prägen

Aktualisiert: Juni 23

Es ist entscheidend, den Wiederaufbau der Zukunft im Hinblick auf die digitale Transformation voranzutreiben und nicht die Probleme der Vergangenheit zu klären, denn Digitalisierung wird die nächste Normalität prägen.



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Viele Unternehmenschefs stellen sich heute zurecht die Frage, ob sich ihr Industriezweig vom wirtschaftlichen Schock durch die Pandemie schnell erholen wird oder ob es bleibende Schäden gibt. Die Antwort liegt wahrscheinlich in der Einschätzung des Ausmasses, für das die jeweilige Branche anfällig ist. Unternehmen, die sich als weniger widerstandsfähig erweisen, könnten durchaus Schwierigkeiten bekommen, ihr Ansehen nach der Pandemie wieder zu erlangen. Jene, die sich zum Beispiel auf Just-in-Time-Lieferketten verlassen, stehen unter Veränderungsdruck, denn die Kontinuität der Lieferung dürfte in Zukunft genauso beurteilt werden, wie die Kosten und die Geschwindigkeit, mit denen ein neues Produkt im Markt eingeführt wird.


Selbst wenn die Barrieren allmählich gelockert werden, müssen sich die Unternehmen überlegen, wie sie zukünftig arbeiten und erfolgreich sein können. Die aktuelle Situation zeigt, dass die Widerstandsfähigkeit vieler Betriebe gestärkt werden muss, d.h. die Fähigkeit schärfen, einen Schock zu absorbieren und besser als die Konkurrenz aus der Situation heraus zu kommen.


Automatisierungstechnologie als Wendepunkt?

Die COVID-Pandemie könnte sich insbesondere im Bereich des digitalen Handels und der Automatisierungstechnologie als entscheidender Wendepunkt erweisen. Viele Angestellte, sogenannte "Knowledge Workers", arbeiten heute von zu Hause. Was noch bis vor kurzen zwischen Unternehmensleitungen und Mitarbeitenden kontrovers diskutiert wurde, ist plötzlich Standard geworden. Als erstes grosses US-Unternehmen hat Twitter seinen Mitarbeitern genehmigt, dauerhaft vom Home-Office zu arbeiten.


Video Conferencing Tools wie zum Beispiel Microsoft Teams, Zoom, Whereby und Jitsi sowie Collaboration-Tools wie Slack oder Teamviewer haben eine gewisse Systemrelevanz erlangt. Mitarbeitende greifen von zu Hause auf die Unternehmens-Systeme und Cloud-Apps zu, um ihre Aufgaben zu erledigen. Das „Enterprise 4.0“ ist Realität geworden. Das gilt zumindest für den Office Bereich. Tendenz steigend. Eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Deutschen Bundesagentur für Arbeit hat ergeben, dass allein in Deutschland rund 4.4 Millionen Arbeitsplätze von Computern übernommen werden können. Weltweit könnten es bis 2030 sogar zwischen 400 und 800 Millionen Arbeitsplätze sein.


In der Tat kann man sich heute eine Geschäftswelt vorstellen, in der der menschliche Kontakt, von der Fertigungshalle bis hin zum Verbraucher, stark reduziert ist.


Digitalisierung als Krisenhelfer?

Für die Schweizer Fertigungsunternehmen ist es keine Frage mehr, ob die digitale Transformation notwendig ist. Dass sie wichtig ist, kann man heute auf den Bildschirmen der leitenden Angestellten und von den Teilnehmerlisten der angepriesenen IoT-Webinare ablesen. Trotzdem sind viele Projekte ins Stocken geraten und man fragt sich, wie die digitale Transformation die Wirtschaft aus der Krise bringen kann? „Wait and see“ ist keine Option. Tief durchzuatmen und sich mit den folgende Fragen auseinandersetzen, rät Tobias Harland vom Industrie 4.0 Maturity Center in Aachen:


  1. Wo können Einsparungen bei der Digitalisierung kurzfristig realisiert werden?

  2. Welche Digitalisierungsmassnahmen können helfen, die Covid-19 Krise zu überwinden?

  3. Welche aktuell ungenutzten Kapazitäten der Belegschaft können mobilisiert werden, um die Digitalisierung zu beschleunigen?

  4. Was kann die Digitalisierung dazu beitragen, dass der Betrieb gegen Krisen widerstandsfähiger ist?


Einsparungen, aber wo?

Manch ein Unternehmen hat in der Vergangenheit hohe Summen für Digitalisierungsprojekte ausgegeben, die von Grund auf zum Scheitern verurteilt waren. Oft wurden sie von einzelnen Mitarbeitern initiiert, die ihre Ideen umsetzen wollten. In unseren täglichen Arbeit werden wir ständig mit Prototypen konfrontiert, die zum Beispiel für die vorausschauende Instandhaltung entwickelt wurden, jedoch ohne Konnektivität mit der Instandhaltungs-Planung und den anderen wichtigen Systemen. Die Entwicklung solcher Inselanwendungen ist zwar interessant, um sich mit der Materie

zu befassen, sie widerspricht jedoch grundlegend dem Kerngedanken der industriellen IoT oder Industrie 4.0, nämlich der kompletten Integration. Mit solchen Einzel-Vorhaben lassen sich die ungenutzten Wertschöpfungspotenziale nicht ausschöpfen. Um die Möglichkeiten zu erkennen und umzusetzen zu können, müssen die Betriebe ihre digital Reife erhöhen. Die dafür eingesetzte neue Technologie muss zum aktuellen Status quo passen. Es bringt wenig, ein neues, Funkttechnik-basiertes Tracking System für mobile Edelstahl-Lagertanks und zu implementierten, wenn keine IT vorhanden ist, die deren Abfüllung steuert und dokumentiert.


Priorität auf Projekte setzen, die kurzfristig eine positive Auswirkung auf den EBITDA haben

Gerade in Tagen, wo jeder Franken zählt, muss die Priorität auf den Vorhaben liegen, welche dem Unternehmen helfen, die Basis für die digitale Transformation zu sichern. Studien zeigen, dass viele Fertigungsbetriebe in der Schweiz noch Hausaufgaben zu tätigen haben. Dafür muss nicht einmal Geld in die Hand genommen werden. Beispiele sind die Stammdatenverwaltung und -Bereinigung, die Standardisierung von Dokumentationen und Arbeitsanweisungen sowie die Implementierung bereits vorhandener Module zur Datenerfassung von Maschinen und Steuerungen. Solche Projekte sind eine wichtige Voraussetzung für die nächsten Schritte auf dem Digitaliserungspfad.

Eine weitere Option ist die Integration von schlüsselfertigen, skalierfähigen Komplettlösungen mit Echtzeit-Dashboards wie z.B Downtime Viewer, Stückzähler, Fortschrittskontrollen (Day-by-the-Hour), Energieverbrauch im Durchsatz, Geräte-Monitoring usw. Korrekt implementiert und an die Unternehmenssysteme angebunden, kann eine solche Komplettlösung eine erstaunliche Auswirkung auf die Produktivität und schliesslich auf das Geschäftsergebnis (EBITDA, Earnings before interest, taxes, depreciation and amortisation) haben.


Beim Erwerb von Softwarelösung denkt jeder Unternehmer unweigerlich an hohe Installations- und Unterhaltskosten. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Anspannung bleiben kaum finanzielle Mittel für grosse IT-Investitionen übrig. Schlüsselfertige IoT-Systeme, die im Rahmen eines Software-as-a-Service-Modells erworben werden, bieten einen erheblichen wirtschaftlichen Vorteil: Hohe Anfangsinvestitionen entfallen, die Bezahlung erfolgt einfach monatlich. Dies wirkt sich positiv auf den Cashflow aus.


Ungenutzte Kapazitäten mobilisieren

Gegenwärtig haben in der Schweiz über 27’000 Unternehmen Kurzarbeit gemeldet. Eine solche Situation haben wir in den letzten Jahrzehnten nicht mehr erlebt. Was also tun mit den ungenutzten Kapazitäten? Es gibt verschiedene Aufgaben, die für eine effektive Transformation-Strategie hilfreich sind. Zur Basis gehören, wie schon erwähnt. u.a. die Stammdatenverwaltung & -Bereinigung und die Erstellung von Standardisierungen, für die jetzt die Zeit genutzt werden kann. Weiter können die bestehenden Schritte im Produktionsprozesse neu überprüft werden mit dem Ziel, auch in der neuen Normalität Werte ohne Verschwendung zu schaffen. Nicht nur im Hinblick auf eine mögliche Neugestaltung der Arbeitsplätze aufgrund des „Distancing“ bzw. der Sicherheit von Arbeitsplätzen, kann jetzt die Zeit für eine offensive Suche nach Vergeudung im Betrieb genutzt werden. Zu den möglichen Fundorte gehören: Bewegungen, Bestände, Transporte, Warte- und Liegezeiten, Überproduktion, Prozesse und Energieverbrauch. Fragen dafür könnten lauten: Welche Arbeitsbereiche, Maschinen und Geräte sind für die Qualität besonders kritisch? An welchen Arbeitsplätzen kommt es auf eine gesundheitsschützende, flexible und gleichzeitig störungssichere Gestaltung an? Welche Problemstellung konnte bislang nicht befriedigend gelöst werden? Dieser Prozess kann durchaus als Vorbereitung für die digitale Aufwertung gesehen werden.


Auch die IT-Architektur sollte neu überdacht werden. Die gegenwärtigen IT-Systeme sind auf Effizienz und weitgehend auf ein statisches Geschäftsmodell ausgelegt. Heute ist aber Flexibilität gefragt, mit der man die richtige Informationen in Echtzeit zur Verfügung hat, nämlich dann, wenn sie benötigt wird. In einem späteren Artikel werden wir auf das Thema IT-Architektur eingehen.


Widerstandsfähigkeit stärken

Unternehmen sind verwundbar, wenn sie die notwendigen Teile oder Rohmaterialien nicht beziehen können. Lieferketten, die auf Just-in-Time-Beständen und einer verteilten Beschaffung aufbauen, müssen angesichts der Störungen, die viele erlitten haben, möglicherweise neu gestaltet werden. Stattdessen müssen Ersatz- und Sicherheitspläne aufgestellt werden. Überhaupt müssen die Lieferketten und das gesamte Outsourcing neu beurteilt werden. Möglicherweise werden die heute ausgelagerten Produktionsstätten wieder zurückkommen, selbst in Hochlohnländer wie die Schweiz. Die industrielle IoT dürfte hierbei eine grosse Rolle spielen. Beispiele zeigen, dass ein modernes Industrie 4.0-Werk ohne weiteres mit einem herkömmlichen Betrieb in einem Billiglohnland konkurrenzieren kann.


Der Silbersteifen

Die Corona-Krise wird die Unternehmen zwingen, ihre Digitalsierungsaktivitäten neu zu priorisieren und sich auf realistische Vorhaben zu konzentrieren, die kurzfristig einen Mehrwert schaffen.


Mit der Wiedereröffnung einiger Geschäftszweige gibt es auch einen Silberstreifen. Er ist allerdings sehr fein im Vergleich zur Coronavirus-Katastrophe. Die Schaffung einer nächsten Normalität, die besser sein wird als die, die sie ersetzt hat, wird ein Langzeitprojekt für alle Unternehmen sein. Es ist entscheidend, den Wiederaufbau der Zukunft im Hinblick auf die digitale Transformation voranzutreiben und nicht die Probleme der Vergangenheit zu klären, denn die Digitalisierung wird die nächste Normalität massiv prägen.


Author: Peter Zahnd



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